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Quo vadis, Peter
Jackson ? "Die Zwei Türme" – Ein Regisseur zwischen
Romanvorlage und filmischer Freiheit.
Längst läuft er
schon, der Trailer für den zweiten "Herr der Ringe"-
Film. Etliche Tolkien-Jünger gehen nur seinetwegen in
Kinovorstellungen. Und werden belohnt. Denn Regisseur Peter Jackson
läst mit außergewöhnlich vielen Szenen aus "Die Zwei Türme"
ganz schön viel Katze aus dem Sack. Er begeistert nicht nur mit
überwältigenden Bildern von gigantischen Schlachten und unglaublichen
Massenszenen. Er präsentiert auch viele neue faszinierende Figuren.
Die Tolkien-Gemeinde
darf sich also wieder auf ein großartiges Kinoereignis freuen. Viel
gewaltiger als noch im ersten Teil sollen die Bilder sein, deutlich
spektakulärer die Tricks und Effekte. Vor allem darf man auf die neuen
Figuren gespannt sein. Allen voran natürlich die Ents, jene Baumwesen,
die so bedächtig wie schrecklich sind. Wie sagte Gimli-Darsteller John
Rhys-Davis nach der Premiere der "Gefährten" in Cannes
: "Ihr habt jetzt vielleicht den ersten Teil gesehen. Aber
eigentlich habt ihr noch gar nichts gesehen."
Peter Jackson:
Genialer Verfilmer oder genialer Verfälscher ?
Aber wird wirklich
jeder so uneingeschränkt begeistert sein von dem, was da im Dezember
auf die Leinwände kommt? Puristen kritisieren bereits jetzt die
inhaltlichen Änderungen, die der Neuseeländer vorgenommen hat. Und das
sind deutlich mehr als noch im ersten Teil. Jackson allerdings sieht
diese Änderungen als eine unabwendbare Notwendigkeit. Allein die große
Anzahl der neuen Figuren mache sie nötig. Der wichtigste Grund für die
Abweichungen gegenüber dem Original dürfte aber wohl in der Trennung
der Gefährten liegen, die zu drei parallelen Handlungssträngen führt.
Aber was konkret ist
jetzt nicht mehr Tolkien, sonder Jacksonmade ? Zum Beispiel der Auftritt
der Riesenspinne Kankra – verschoben auf "Die Wiederkehr des
Königs" im Jahr 2003. Oder die Darstellung der Beziehung
zwischen Frodo, Sam und Gollum. Diese wird im Film wesentlich genauer
beschrieben als im Roman. Laut Jackson unumgänglich, um ihrer
Widersprüchlichkeit und Vielfältigkeit gerecht zu werden. Besonders
strapaziert aber würde die Toleranz der Fans, wenn es stimmt, was aus
der Gerüchteküche zu hören ist. Demnach soll die Elbe Arwen in der
Schlacht von Helms Klamm auftauchen, um Aragorn das Schwert Andûril zu
bringen. Dies wäre eine Schlüsselszene, die es so bei Tolkien nicht
gibt.
Schon jetzt jedenfalls
wird in der Tolkien-Gemeinde fleißig darüber spekuliert, wie weit sich
Jackson von der Vorlage entfernen wird. Denn den Fans ist es keieswegs
gleichgültig. Einer Internet-Umfrage zufolge sehen mehr als 36 % von
immerhin knapp 3000 Teilnehmern den Änderungen mit gemsichten Gefühlen
entgegen oder lehnen sie sogar ab.
Jackson jedenfalls gibt
sich keine Mühe, das Rätselraten zu beenden. Immerhin bleibt sein Film
so im Gespräch. Gemahnt hatten Puristen übrigens auch im Vorfeld des
ersten Films. Doch im nachhinein bescheinigen die allermeisten Peter
Jackson eine glückliche, um nicht zu sagen geniale Hand bei der
Umsetzung der Romanvorlage.
Filme und ihre
Vorlagen : eine unendliche Geschichte der Diskussion
Immer schon standen
Verfilmungen erfolgreicher Romane im Spannungsfled zwischen
literarischer Authenzität und filmischer Freiheit. Bei jeder Vorlage
mußten (und müssen) sich die Macher des Films fragen : Wie weit darf,
wie weit kann, wie weit muß ich mich vom Original entfernen um einen
guten und erfolgreichen Film zu schaffen ? Immer auch gab es Kritik und
Zweifel an der Durchführbarkeit. Oft wurde gefragt, ob der Film denn
wirklich dem Buch gerecht wurde. Das war z.B. bei den Karl. May-Filmen
der 60er so, und auch bei Günther Grass' Blechtrommel. Und was haben im
letzten Jahr die Harry-Potter-Fans diskutiert!Letztendlich gilt : Ein
Roman ist ein Roman, und ein Film ist ein Film. Zwischen beiden steht
der Regisseur. Er entscheidet was für ein Film aus dem Roman wird. Ist
seine Entscheidung geprägt von zuviel Ehrfurcht vor dem Buch, wird es
ein schlechter Film. Ist ihm ds Buch egal, verliert der Film seine
Geschichte. Geht der Regisseur aber mit Respekt und Phantasie ans Werk -
wird es meist eine richtig gute Romanverfilmung.
Entschieden wird and
er Kinokasse :
Am 18.Dezember 2002 ist
weltweit Kinostart für "Die zwei Türme". Entscheiden
wird dann das Publikum. Und da schon der erste Teil die sagenhafte Summe
von fast 850 Millionen Dollar eingespielt hat, dürfte auch der zweite
zu langen Schlangen an den Kinokassen führen. Grund genug für Peter
Jackson, auf die Filmrollen höchstpersönlich achtzugeben. Er hat sie
angeblich an einem geheimen Ort irgendwo in Neuseeland versteckt. Oder
war es Mittelerde ?
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